"mmh..." mechthild meint heute: weniger wulffen, mehr käßmannen? Über Vorbilder.

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„Du sollst Dir kein Bildnis machen.“ Schön wär´s. Ständig machen wir uns ein Bild - von Gott, den Menschen und besonders den halbvergötterten Schönen und Mächtigen. Bilder, die oft so was von mächtig nicht stimmen. "Vorbild Guttenbergplag, jetzt Wulffplag“. Der Titel dieser Plag-Site sagt fast alles. Der eine geadelt und gelackt wie das Parkett, auf dem er schließlich ausrutscht. Der andere zufällig ins Schloss gestolpert, aus der Provinz. Dort schon über die eigenen Füße gefallen, hinein ins Klinkerhäuschen. Bürgerliche Blässe, selbst mit tätowierter Gattin. 

Genug, ich geb´s  ja zu: Bei mir hatte der eine so wenig Kredit wie der andere Ge-Plagte. Und der bigotte Bild-Sturm dieser Tage ist ebenso wenig vorbildlich. Doch wenn schon Politiker als Vorbild, dann bittschön nicht glatt und gleitfähig gen Macht. „Das Ende der Vorbilder“ beschreibt Margarete Mitscherlich bereits in den Siebzigern. Und zeigt, dass wir dennoch welche brauchen und haben. 

„Wer ist noch Vorbild?“, schnappatmen die Schlagzeilen. Dabei kennt jedes Kind welche. Mama oder Papa sind die Größten. Bis die Kleinen größer werden und Eltern plötzlich auch nur Menschen sind. Gut so. Halbwüchsige suchen sich drum auch andere Vorbilder: Lehrer, Freunde, Menschen, die zeigen, wie das eigne Leben laufen könnte. Rund 60 % der jungen Leute haben laut Studien ein Vorbild. 

Albert Schweitzer war für mich ein Pfarrerstochtermuss. Muss kurz mal die Welt retten, zumindest halb Afrika. Auch Mutter Teresa und Greenpeace belegen in meiner Jugendzeit noch vordere Plätze im Ranking. Heute sind es Modelmutter Klum, die Katzenbergers, Klitschkos und Co. Schön, reich, berühmt. So wollen viele sein, die gerade noch Pickel haben. Ja, die Jugend, da hatten wir noch andere Ziele!

Wirklich? Neben dem Che Guevara-Poster hing damals auch schon Bob Dylan. Die Idolisierung, die Star- und Sternchen-Verehrung steht seit jeher neben der Suche nach Vorbildern fürs richtige Leben. Bei Familienministerin Schröder zierte gar Kanzler Kohl das Mädchenzimmer. Gut, Politiker im Starschnitt, das war selten. Inzwischen gehört der Starappeal dazu. Die smarten Guttenbergs und Wullfs lagen lange vorn. Nun rücken andere auf. Die Liste „moralischer Instanzen“ ist auch bunt, wenn man Erwachsene befragt: Merkel, Papst, Beckenbauer, Schwarzer, Kerkeling, Raab - in variabler Reihenfolge. 

In der Spiegel-Studie 2010 köhlert immerhin der Bundespräsident noch auf Platz zwei. Inzwischen gelten Altkanzler Schmidt und Altbewerber Gauck wieder als vorbildliche Kandidaten. Warum? Weil nicht glatt aber geradlinig, mit klarer Haltung, mit Ecken und Kanten, ja Fehlern. Genau so wie ... natürlich Margot Käßmann. Auch wieder Kandidatin.

Seit ihrem Fehl- und Rücktritt wird sie umso mehr verehrt. Einst Instanz für Moral ist sie zur Ikone geworden, beinahe beängstigend. „Ich bin kein Vorbild, nur Abbild, ein Mensch wie andere.“ Den Wulffsatz hätte sie auch sagen können, aber als Christenmensch verstanden. So wie Paulus das Leben nach dem „Vorbild Christi“ (Philipper 2, 5f): „Er ward gleich wie ein anderer Mensch.“ Seiner Macht entäußert er sich, erniedrigt sich selbst und wird darum erhöht. Profan gesagt: Weniger der Macht als den Menschen dienen. Ist das vorbildlich?

Weniger wulffen, mehr käßmannen? 
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Bleiben Sie frech und fröhlich.
Ihre Mechthild Werner

Foto: Künstler unbekannt. Dank an Website

 

Schlagworte: Vorbilder