"mmh..." mechthild meint heute: Kirche im Konsumtempel? Jesus goes shopping

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Einmal stand ich im Talar an der Kaufhauskasse. Nein, nicht weil ich nach dem Gottesdienst schnell noch Weihnachtsgeschenke kaufen musste. Es ging um ein „Wort zum Sonntag“ im wahrsten Sinne des Wortes: um Sonntagsruhe statt Sonntagsshopping. Die Aufnahme läuft, ich laufe mitten durch die Kassenschlange und erzähle tapfer in die Kamera.

Die Kassiererinnen lächeln wacker, auch bei der dritten Einstellung. In jeder Aufnahmepause werde ich bestaunt und befragt. „Gell, Sie drehen so eine Serie und Sie spielen die Pfarrerin?“ „Nein, ich bin echt.“ Ich weiß nicht, wie oft ich diesen Satz gesagt habe. Es gab jedenfalls Klärungsbedarf - und einige Gespräche im Vorbeigehen, über Sinn und Unsinn von Feiertagen.

Kirche im Kaufhaus. Geht das, darf das, muss das sein? Die Grenzüberschreitung im Wort zum Sonntag war gewagt, gewollt und umstritten. Ähnlich wie die Advents-Aktion „Kirche mitten im Geschäft“ in Osnabrück. Im größten Kaufhaus der Stadt sind die Kirchen derzeit mit einem Stand vertreten.

Wer sich Freitags durch den Ho-Ho-Ho-Jingle-Bells-Trubel wühlt, hört zwischendrin die fast aufwühlende Frage: „Hat Kirche was mit Weihnachten zu tun?“ Die Antwort wird anschaulich mittels eines Balls in Plexiglasröhren geworfen: „Ja“. Oder auch nicht selten „Nein“. Ein Halbwüchsiger meint, „Kirche an Heiligabend ist voll okay“ aber jetzt auch noch „beim Shoppen angequatscht“ werden? 

Die meisten Menschen, so die Zwischenbilanz, sehen die Kirche im Kaufhaus jedoch positiv. Am Stand wird auch nicht nur gefragt und geredet. Es gibt Infos zu den Weihnachtsgottesdiensten und wer mag, kann sogar wieder in die Kirche eintreten. Ein Konzept, das vielerorts erprobt wird, nicht nur im Advent. „Gott wohnt neben Aldi“ textet süffisant die ZEIT über Andachtsräume im Kaufhaus

Kirche im Konsumtempel. Darf das, ja muss das sein? „Klar“, meint eine Rentnerin, “Kirche muss sich heutzutage ja auch irgendwie verkaufen.“ Tja, verkaufen und verraten wir uns selbst oder schenken wir Menschen ein wenig Weihnachtsfreude, da, wo sie gerade sind ...

Jesus goes shopping. Gegen den Konsumrausch predigen und selbst die Tempel nutzen? Ging das, geht das, auch in Ludwigshafen oder Kaiserslautern?

Das ist die Frage für mich und Sie: Ist Kirche im Kaufhaus „echt“ oder nicht recht am Platz? 

Schreiben Sie gleich hier unten.

Bleiben Sie frech und fröhlich. Und gesegnet im Advent. 

Ihre Mechthild Werner

 

Schlagworte: Kaufhauskirche Mission