"mmh..." mechthild meint heute: Haben wir noch alle Schlüssel im Schrank?

Schlusselrolle

Eine Schlüsselszene aus Wörth. Das viel zu große Pfarrhaus ist noch nicht eingerichtet, es klingelt. Aufregend, mein erster Gemeinde-Kontakt. Als ich aufmache, lächelt mich ein Mittfünziger an, mustert mich kurz und fragt: „Kind, ich brauch en Schlüssel. Is dein Vadder dehääm, de Parrer?“ Ich war immerhin knapp dreißig. Aber über zig Jahre hatten die Wörther eben „en Parrer“ und zwar vom „alde Schlag“.

Ja, eingeschlagen hat es, das althergebrachte Bild, das er geprägt hat: Pfarrherr, Pastor, Papa ante pendium. Er genoss gehörigen Respekt und viele ungeheuer leckere Wörther Torten. Denn er hat „alle, ja alle Jubilare zum Geburtstag besucht“, wurde mir versichert, mir, die ich das nie schaffen würde. Eins jedenfalls war sicher: Er, de Parrer, hat alles bestimmt, alles und alle geleitet, den Schlüsselbund fest im Griff. So oder ähnlich hat sich das Leitbild des Pfarrers tief eingeprägt.

Ein anderes Bild abzugeben war nicht leicht. Die Schlüssel mal aus der Hand geben, anderen zutrauen, selbst Gemeindegruppen zu leiten, all das rief die „das-war-schon-immer-so“- Sager auf den Plan. „Besuchskreis? Nä, des kann nur die Parrin mache.“ Doch nach rund zwei Jahren hieß es ehrenamtlich selbstbewusst: „Jo, ich kann des.“ Genau, es ging und geht auch anders.

In den letzten 20 Jahren hat sich vieles verändert, nicht nur in Wörth. Selbstständige Gemeinden, im Pfarramt selbstbewusste Frauen und eine neue Generation Männer. Doch eines ist unverändert: die Frage nach dem Schlüssel. Im Entwurf für ein EKD-weites Pfarrdienstgesetz wird vom „Schlüsselberuf“ gesprochen. Und auch Kirchenpräsident Schad sagte auf dem Zukunftskongress: „Pfarrerinnen und Pfarrer nehmen eine Schlüsselrolle ein.“

Ein Nebensatz, der im Nachhinein für Kritik sorgte. „Wieso liegt der Schlüssel bei Pfarrers?“, so der Vorwurf. „Da sind doch noch andere, die schaffen und die Gemeinde prägen.“ Ehrenamtliche, das zeigt diese Reaktion fraglos, fühlen sich in ihrer Rolle nicht genug gewürdigt. Und das Bild des Schlüssels scheint fragwürdig.

Doch warum? PfarrerIn sein ist ein Schlüsselberuf. Auf der Kanzel, in der Schule oder wo auch immer: Es gilt, die gute Nachricht zu entschlüsseln, Menschen das Evangelium zu erschließen. Was gibt es Wichtigeres? Die Köpfe im Talar prägen das Gesicht einer Gemeinde.

Das gilt aber ebenso für Prädikant, Presbyterin, Kindergärtnerin oder den Hausmeister. Wie ist das mit deren Schlüsseldiensten? Und gibt es auch Schlüsselberufungen?

Das frage ich mich und Sie: 

Wie ist das mit den Schlüsselfiguren in der Gemeinde?  

Schreiben Sie gleich hier unten.

Bleiben Sie frech und fröhlich. Und gesegnet im Advent.

Ihre Mechthild Werner

Schlagworte: Ehrenamt