"mmh..." mechthild meint heute: Tatort Krippe. Weihnachten wird an der Krippe entschieden

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 „Mama, weißt du was?“, beginnt die beliebte Sohn-Frage mit dem leicht gelispelten „s“. Der Spannung halber stets wiederholt: „Weißt du, was ich Weihnachten spiele?“ Es blitzt blauäuig unter der blonden Lockenmähne. „Einen Engel?“, antworte ich wenig phantasievoll. „Nee“, lacht der Kleene, “ich spiel doch den mit der Blase am Fuß“. „Aha“, antworte ich, kaum irritiert.

Klar frage ich nicht, wo diese Figur wohl in der Weihnachtsgeschichte vorkommt. Der mit der Blase und „der mit dem Loch in der Socke, der andere Penner, mein Freund“, die beiden Penner also gehören zum Krippenspiel. Damals, vor zehn Jahren. Ich weiß es noch genau. „Aua, aua, meine Blase“, tönt es glasklar unter dem Schlapphut, „aber da, guck mal, der Stern!“. Mit besagtem „s“ - wie süß. Der eine Satz ist raus, wir Eltern atmen auf, stolzgeschwellt.

Alljährlich lässt sich dieses schrecklich schöne Schauspiel genießen. Ob alt oder neu erzählt, der Tatort Krippe sorgt stets für Spannung. Und für Spannungen im Vorfeld. „Bleibt doch beim alten“, mahnen die einen und zücken schon die Taschentücher für die süüße Maria und die "goldische" Engel. Nein, „was Aktuelles muss her“, meinen andere, denn das Kind wird ja schließlich auch 2011 geboren.

Also ein modernes Krippenspiel. Da können zwei Penner auftreten oder vier Könige. Der Esel denkt, sogar laut, und selbst ein Strohhalm kann schwatzen. Es geht um Männer der Gang of Jerusalem, um Männchen vom Mars oder um Menschen aus Afghanistan. Das Leben ist (k)ein Krippenspiel

Wie immer der Plot sein mag, wie gut der Tatort wird, entscheidet sich auch am Set, in der Kirche. Mikros knistern und knacken, Knie und Zähne klappern, die Bankreihen samt Besuchern verbauen den Blick auf die Kleinen. Oft ist wenig zu hören und so gut wie nix zu sehen. Aber „schä is es“, schön ist es meist, besonders für Eltern und Großeltern. Und einige davon spielen gleich selber mit. 

Ursprünglich waren Krippenspiele nur mit Erwachsenen besetzt. Inzwischen sitzt wieder so manche Maria 60plus im Stall, gleich neben dem Rentner Josef. Nicht wegen des Kleinkindmangels mancherorts sondern durchaus zur eigenen Bereicherung. Denn das Spielen dieser Geschichte macht den Glauben sinnlich, für jung und alt.

Ein Pfälzer „Hirte“ von 68 Jahren, dem die Sandalen-Füße in der Kirche frieren, kann plötzlich nachfühlen, „wie hart das Leben eines Hirten gewesen sein muss.“ Nun ja, zumindest am kleinen Zeh. In Sachen geplagte Füße ist ja ohnehin von unserem Lockenkopf alles gesagt: „Aua, aua, meine Blase. Aber da, guck mal, der Stern!“ Ich weiß, ich habe es schon erwähnt, aber hach, das war auch süß.

Spannend wird der Tatort Krippe jedenfalls auch dieses Jahr. Vielleicht spielt ja einer der Josefs später mal tatsächlich den Kommissar. Wie auch immer: Es ist und bleibt wunderbar, mitzufiebern und mitzuspielen, wenn Gott einmal mehr auf diese Welt kommt...

Wie wird oder war Ihr Krippenspiel 2011? 
Wer antworten mag, klickt hier unten auf Response. 

Viel Freude, ein gesegnetes Christfest und ein behütetes Neues Jahr.

Bleiben Sie frech und fröhlich. 
Ihre Mechthild Werner

P.S. Am 6. Januar folgt die nächste Frage am Freitag. 


Foto: Bauhaus-Krippe 

 

Schlagworte: Weihnachten

"mmh..." mechthild meint heute: Alle Jahre schon wieder. 10 Sätze, die niemand hören will

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„Mein Gott, war der Pfarrer schlecht drauf. Und das zu Weihnachten.“ Diesen Satz habe ich noch vom vergangenen Jahr im Ohr. Beim Rausgehen aus einer wunderschönen Kirche, nach einer weniger ... nun ja, Predigt. Wer Heilig Abend in die Kirche geht, der kann mitunter kein Wunder erleben. Kaum ist die Geschichte aus Bethlehem verklungen, werden einem bereits die Leviten gelesen. 

Buchstabiert wird nicht selten das ganze ABC des Elends. Von A wie Afghanistan und Arbeitslose bis Z wie alles, was in der Zeitung steht. Elend und elend lang. Dazu ein i-Tüpfelchen Publikumsschelte. Als das Licht stimmungsvoll gedimmt wird, ruft es von der Kanzel: „Lasst das Licht an, ich seh die hier das ganze Jahr nicht, da will ich sie wenigstens Weihnachten sehen!“ Gut, das habe ich nicht selbst erlebt, aber leider andere, wie Chrismon berichtet. Aber ist es denn ein Wunder? 

Alle Jahre wieder kommt der Weihnachtschrist. Ob in Bergzabern oder Berlin - da wartet er am Dom sogar hinter Absperrgittern. Er rempelt und rüpelt schon am Eingang. „Das ganze Jahr zahle ich Kirchensteuer und jetzt muss ich stehen.“ Drinnen weiß er sich nicht zu benehmen, applaudiert, fotografiert. Er ist laut und liebt Stille Nacht. Und doch, alle Jahre kommt er und sie, mit den Kleinen natürlich. Und sie alle sind auch ganz anders, die Weihnachtschristen

Heidenchristen sind sie jedenfalls nicht, denn sie kommen immer wieder. Und jede und jeder sucht etwas, wartet auf das Christkind. Ja, so kitschig, gefühlig und auch tief gefühlt ist die Sehnsucht an diesem Abend. Und so schwer ist es, sie mit Kopf und Herz spüren zu lassen. Wie schaffe ich das als Weihnachtspfarrerin? Mitten in dem elenden Alphabet zu sagen und zu singen: O wie O du fröhliche. 

Doch, sie lässt sich tatsächlich erleben, die Freude der Hirten. Hautnah, eng aneinandergedrückt zu Heilig Abend. Manchmal nur einen Moment lang. Ein Orgelrauschen, ein Kerzenflackern oder auch nur ein Predigtwort kann genügen. Gut jedenfalls, wenn in der Predigt nicht nur gewettert wird. Aber auch nicht gesäuselt: „Ich habe ihnen hier ein Schäfchen mitgebracht. “ Oder: „Sind Sie erschöpft? Maria und Joseph waren vor Heiligabend auch sehr im Stress.“  Nein, nicht nur Beschimpfungen, auch Banalitäten können weh tun. In einer Woche ist es wieder soweit. Darum zur Vorsorge ...

10 Sätze, die niemand mehr hören will:

1.Süßer die Kassen nie klingeln

2. Stille Nacht, eilige Nacht

3. Weihnachtsfreude lässt sich nicht kaufen

4. Uns geht es noch zu gut

5. Die Zeiten sind schlecht

6. Frieden fängt klein an

7. Viele kleine Leute, viele kleine Orte, viele kleine Schritte

8. Warum kommen Sie nicht unterm Jahr

9.   ...

10. ...                            


Fortsetzung folgt?! Schreiben Sie gleich hier unten. 

Freue mich auf Folgendes, auf Weiteres und Heiteres.

Bleiben Sie frech und fröhlich. Und gesegnet im Advent. 

Ihre Mechthild Werner

Foto: Weihnachtsgurke der Firma INGE-Glas, Neustadt bei Coburg. wikimedia  

Schlagworte: Weihnachten

"mmh..." mechthild meint heute: Kirche im Konsumtempel? Jesus goes shopping

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Einmal stand ich im Talar an der Kaufhauskasse. Nein, nicht weil ich nach dem Gottesdienst schnell noch Weihnachtsgeschenke kaufen musste. Es ging um ein „Wort zum Sonntag“ im wahrsten Sinne des Wortes: um Sonntagsruhe statt Sonntagsshopping. Die Aufnahme läuft, ich laufe mitten durch die Kassenschlange und erzähle tapfer in die Kamera.

Die Kassiererinnen lächeln wacker, auch bei der dritten Einstellung. In jeder Aufnahmepause werde ich bestaunt und befragt. „Gell, Sie drehen so eine Serie und Sie spielen die Pfarrerin?“ „Nein, ich bin echt.“ Ich weiß nicht, wie oft ich diesen Satz gesagt habe. Es gab jedenfalls Klärungsbedarf - und einige Gespräche im Vorbeigehen, über Sinn und Unsinn von Feiertagen.

Kirche im Kaufhaus. Geht das, darf das, muss das sein? Die Grenzüberschreitung im Wort zum Sonntag war gewagt, gewollt und umstritten. Ähnlich wie die Advents-Aktion „Kirche mitten im Geschäft“ in Osnabrück. Im größten Kaufhaus der Stadt sind die Kirchen derzeit mit einem Stand vertreten.

Wer sich Freitags durch den Ho-Ho-Ho-Jingle-Bells-Trubel wühlt, hört zwischendrin die fast aufwühlende Frage: „Hat Kirche was mit Weihnachten zu tun?“ Die Antwort wird anschaulich mittels eines Balls in Plexiglasröhren geworfen: „Ja“. Oder auch nicht selten „Nein“. Ein Halbwüchsiger meint, „Kirche an Heiligabend ist voll okay“ aber jetzt auch noch „beim Shoppen angequatscht“ werden? 

Die meisten Menschen, so die Zwischenbilanz, sehen die Kirche im Kaufhaus jedoch positiv. Am Stand wird auch nicht nur gefragt und geredet. Es gibt Infos zu den Weihnachtsgottesdiensten und wer mag, kann sogar wieder in die Kirche eintreten. Ein Konzept, das vielerorts erprobt wird, nicht nur im Advent. „Gott wohnt neben Aldi“ textet süffisant die ZEIT über Andachtsräume im Kaufhaus

Kirche im Konsumtempel. Darf das, ja muss das sein? „Klar“, meint eine Rentnerin, “Kirche muss sich heutzutage ja auch irgendwie verkaufen.“ Tja, verkaufen und verraten wir uns selbst oder schenken wir Menschen ein wenig Weihnachtsfreude, da, wo sie gerade sind ...

Jesus goes shopping. Gegen den Konsumrausch predigen und selbst die Tempel nutzen? Ging das, geht das, auch in Ludwigshafen oder Kaiserslautern?

Das ist die Frage für mich und Sie: Ist Kirche im Kaufhaus „echt“ oder nicht recht am Platz? 

Schreiben Sie gleich hier unten.

Bleiben Sie frech und fröhlich. Und gesegnet im Advent. 

Ihre Mechthild Werner

 

Schlagworte: Kaufhauskirche Mission

"mmh..." mechthild meint heute: Haben wir noch alle Schlüssel im Schrank?

Schlusselrolle

Eine Schlüsselszene aus Wörth. Das viel zu große Pfarrhaus ist noch nicht eingerichtet, es klingelt. Aufregend, mein erster Gemeinde-Kontakt. Als ich aufmache, lächelt mich ein Mittfünziger an, mustert mich kurz und fragt: „Kind, ich brauch en Schlüssel. Is dein Vadder dehääm, de Parrer?“ Ich war immerhin knapp dreißig. Aber über zig Jahre hatten die Wörther eben „en Parrer“ und zwar vom „alde Schlag“.

Ja, eingeschlagen hat es, das althergebrachte Bild, das er geprägt hat: Pfarrherr, Pastor, Papa ante pendium. Er genoss gehörigen Respekt und viele ungeheuer leckere Wörther Torten. Denn er hat „alle, ja alle Jubilare zum Geburtstag besucht“, wurde mir versichert, mir, die ich das nie schaffen würde. Eins jedenfalls war sicher: Er, de Parrer, hat alles bestimmt, alles und alle geleitet, den Schlüsselbund fest im Griff. So oder ähnlich hat sich das Leitbild des Pfarrers tief eingeprägt.

Ein anderes Bild abzugeben war nicht leicht. Die Schlüssel mal aus der Hand geben, anderen zutrauen, selbst Gemeindegruppen zu leiten, all das rief die „das-war-schon-immer-so“- Sager auf den Plan. „Besuchskreis? Nä, des kann nur die Parrin mache.“ Doch nach rund zwei Jahren hieß es ehrenamtlich selbstbewusst: „Jo, ich kann des.“ Genau, es ging und geht auch anders.

In den letzten 20 Jahren hat sich vieles verändert, nicht nur in Wörth. Selbstständige Gemeinden, im Pfarramt selbstbewusste Frauen und eine neue Generation Männer. Doch eines ist unverändert: die Frage nach dem Schlüssel. Im Entwurf für ein EKD-weites Pfarrdienstgesetz wird vom „Schlüsselberuf“ gesprochen. Und auch Kirchenpräsident Schad sagte auf dem Zukunftskongress: „Pfarrerinnen und Pfarrer nehmen eine Schlüsselrolle ein.“

Ein Nebensatz, der im Nachhinein für Kritik sorgte. „Wieso liegt der Schlüssel bei Pfarrers?“, so der Vorwurf. „Da sind doch noch andere, die schaffen und die Gemeinde prägen.“ Ehrenamtliche, das zeigt diese Reaktion fraglos, fühlen sich in ihrer Rolle nicht genug gewürdigt. Und das Bild des Schlüssels scheint fragwürdig.

Doch warum? PfarrerIn sein ist ein Schlüsselberuf. Auf der Kanzel, in der Schule oder wo auch immer: Es gilt, die gute Nachricht zu entschlüsseln, Menschen das Evangelium zu erschließen. Was gibt es Wichtigeres? Die Köpfe im Talar prägen das Gesicht einer Gemeinde.

Das gilt aber ebenso für Prädikant, Presbyterin, Kindergärtnerin oder den Hausmeister. Wie ist das mit deren Schlüsseldiensten? Und gibt es auch Schlüsselberufungen?

Das frage ich mich und Sie: 

Wie ist das mit den Schlüsselfiguren in der Gemeinde?  

Schreiben Sie gleich hier unten.

Bleiben Sie frech und fröhlich. Und gesegnet im Advent.

Ihre Mechthild Werner

Schlagworte: Ehrenamt