"mmh..."mechthild meint heute: 7 Wochen mit ohne Fasten - Auf die Freiheit
„Fasten? Des is doch katholisch! Ich bin gut protestantisch.“ Schmallippig, schnippisch kommt das aus dem ansonsten sanften Gesicht von Frau P. Damals, vor rund 20 Jahren, als ich in meiner Gemeinde „7 Wochen ohne“ ins Spiel gebracht habe.
Später wird Frau P. ihrem Mann erklären: „Des ohne is eigentlich mit, mit Bibel lese un Sinn suche. Im Seil habe mir gehängt, geatmet, un getanzt!“ Herr P. gönnt mir einen spöttischen Seitenblick. Da hört er noch: „Des is freiwillig. Aber du musst ach mol mitfaste.“
Ja, irgendwie freiwillig gezwungen. Evangelisch fasten ist schwer. Katholiken feiern nicht nur den schöneren Karneval, wie eine Rundfunk-Kollegin jüngst bemerkte. Sie fasten auch einfacher. Aschekreuz auf die Stirn. Fasten, fertig, los. Fastenpraxis leichtgemacht. Bei uns ist das anders.
„Warum fasten deine Jünger nicht?“ Jesus hat einen einfachen, guten Grund. (Mt. 9, 14f.) Evangelen heutzutage brauchen einen besseren. Auf die Frage: „Warum fastest du nicht?“, lässt sich kaum mehr gut lutherisch wettern, das „casteien“ sei nur ein „äußerlich Zucht“ und es ginge letztlich allein um den Glauben. „Ja, aber glaube mir, es tut einfach gut,“ meint meine kloster-heilfasten-kurende Freundin.
Nein, es ist nicht mehr weit her mit der Freiheit eines Fastenmenschen. Denn schließlich hat selbst der genussfreudige Martinus gefastet. Und: casteien? Ja, bitte! Der Fitnesswahn macht vor der Seele nicht halt. Auch evangelisches Fasten ist längst wieder dran. Ist das nun Rekatholisierung oder Revitalisierung heilsamer Rituale? Ich weiß nur: Für manche ist´s wieder ein Muss.
„7 Wochen ohne“ erkennt in den 80ern die Zeichen der Zeit: Überdruss am Überfluss. Hunger nach Sinn und Spiritualität. Das religiöse Fasten wird wiederentdeckt. Nicht erst Ghandi oder Mohammed, Mose, Elias und Jesus machen es vor: „Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn“ (Mt 4,2)
Wir dagegen sind hungrig nach Fastenzeiten. Abspeckkur, Ayurveda, Heilfasten und Herzensgebet: Fasten für Körper und Seelen jeder Art. All das lässt sich im Kloster haben oder zu Hause. Rein diätisch, buddhistisch, katholisch oder auch evangelisch. Eben „7 Wochen ohne“. Oder „mit“ oder ... keine Ahnung.
Wer blickt da noch durch: Bibelfasten heißt mit Bibel, FB-Fasten ohne Facebook. SMS-Fasten ist dagegen mit simsen. Zeitfasten eher so mit ohne. Autofasten meint tatsächlich ohne Auto. Gutgemeint, so man nicht in Orten wohnt, die mit –moschel enden und da jeder Nahverkehr endet. Konsequent auch. Wenn man nicht Bischöfin oder Bischof ist und für´s Restjahr eine dicke Dienstkarosse fährt. Was da bei uns, am Speyrer Domplatz manchmal so parkt, nun ja...
Genau das ist die eigentliche Fasten-Frage: Wie halte ich es nach den 40 Tagen die restlichen 326? Wie werde ich den evangelischen Zusprüchen und Ansprüchen gerecht? Bin ich, sind wir „gut genug“?
Wie haltet ihr es mit dem Fasten?
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Bleiben Sie frech und fröhlich,
Ihre Mechthild Werner

Mechthild Werner